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AvD Histo Monte 2010  -  Blut, Schweiß und Tränen bis zum
bitteren Ende

Ein Rallye-Bericht von Oliver Nusser und Klaus Thiele - Teil 1
Die Vorfreude auf eine gemeinsame Rallye war grenzenlos. In der Vergangenheit waren wir immer
gegeneinander in verschiedenen Autos Rallyes gefahren. Doch auf der Taunus Trophy 2009
entstand aus einer Bierlaune heraus eine grandiose Idee. Eigentlich wollten wir eine Rallye auf
Bestzeit fahren – das war unser gemeinsamer Plan. Wir dachten hier an die Rallye Köln-Ahrweiler.
Doch nach zahlreichen Überlegungen und Gesprächen mit anderen Rallyefreunden haben wir
unsere Pläne geändert und beschlossen, bei der Histo Monte 2010 an den Start zu gehen – das
sollte für unseren Auftakt reichen. Weiter war klar, dass wir – historisch korrekt – Sanduhr-Klasse
fahren wollen. Das ist bei uns sowieso Ehrensache. D.h. als Hilfsmittel stehen mechanischer
Wegstreckenzähler (BelMog-Twin), mechanische Stoppuhren und gedruckte Schnitttabellen zur
Verfügung – der Rest liegt in den Händen und Köpfen von Pilot und Co-Pilot.

Das passende Fahrzeug, ein Porsche 944 aus dem Jahr 1984 in weiß, kompromisslos als
Rallyefahrzeug aufgebaut, war ja bereits im Fuhrpark von Klaus vorhanden. Unser gemeinsamer
Freund Hans-Peter, Begründer und Namensgeber der Scuderia Gianni, unter deren Label wir
angetreten sind, hatte sich wirklich größte Mühe gemacht und unser Rallyefahrzeug nach bestem
Wissen und mit größter Sorgfalt für die Rallye vorbereitet und entsprechend für eine
Motorsportveranstaltung im Winter ausgerüstet. Es war einfach alles in unserem Porsche
vorhanden. Von 4 Schneeketten über fertig angemischtes Wischwasser bis hin zur Werkzeugtasche
mit einem überdimensionalen Hammer zur Rückgängmachung von kaltverformtem Blech – aber
dazu später mehr…

Die Zeit vor der Histo Monte kam uns wie eine Unendlichkeit vor. Die Meßlatte hatten wir beide
ganz schön hochgeschraubt aber wir wolltem vor allem eines – grenzenlosen Spaß auf unserer
ersten gemeinsamen Rallye! Nun endlich war das Warten ´rum und es konnte losgehen.


Mittwoch, 03. Februar 2010 – Trainings- und Anreisetag

Bereits am Mittwochmorgen ging es für uns beide los. Wir hatten noch einen extra Trainingstag
eingeplant, den wir in den Löwensteiner Bergen bei Heilbronn unter halbwegs realen Bedingungen
durchführen wollten – bergige, verschneite und enge Strassen sollten das ideale Trainingsareal
sein, um Schnittfahren zu trainieren.

Als wir dorthin fuhren, schneite es bereits so stark, daß sich die Straßen binnen weniger Stunden in
eisige Rutschbahnen verwandelten – ideal für unsere Zwecke.

Als wir unsere Trainingssession beendet hatten, fuhren wir über kleine Nebenstraßen in Richtung
Heilbronn zurück, um an den Startpunkt nach Hanau zu gelangen. Bei Stangenbach cutteten wir
eine Kurve und dann ging alles blitzschnell.

Der viele Schnee hatte den Graben völlig überdeckt und wir rutschten mit der einen
Fahrzeughälfte in den Strassengraben – was für eine Katastrophe – die Veranstaltung hatte noch
nicht begonnen und Oliver feuerte unser Einsatzgerät schon mal in den Graben. Das Fahrzeug lag
so quer, das Klaus über die Fahrerseite aussteigen musste, keine leichte Aufgabe mit
Schalensitzen im Fahrzeug.
















Zum Glück mußten wir nicht sehr lange warten, bis ein Einheimischer mit seinem VW Bulli anhielt.
Schnell hatten wir ihn überredet, uns zu bergen. Ein Abschleppseil sowie Abschleppösen waren
dank Hans-Peter ja bereits am Fahrzeug vorhanden. Somit konnte die Anfahrt nach Hanau nach
einem letzten Check in der Werkstatt unseres Porsche-Spezialisten Helmut Gatscher, der keinen
Schaden feststellen konnte, beginnen. Puh – nochmal Glück gehabt – und die Stimmung war
wieder bestens!

In Hanau angekommen wurden wir herzlich vom IBH Team Klaus und Ute Schepper begrüsst, für
das wir in der Mannschaftswertung zusammen mit vier anderen Teams fuhren. Klaus hatte sich
wahnsinnig viel Mühe gemacht und sämtliche WP’s auf google Earth ausgedruckt sowie
Wettervorhersagen und Benzinverbrauchstabellen in eine Mappe eingebunden. Das hat uns
wirklich beeindruckt.

Direkt nach der Dokumentenabnahme machten wir uns ans Metern. Schließlich sollte der Belmog
Tripmaster ganz genau funktionieren. Problematisch war allerdings, dass das einzig richtige
Messingzahnrad einen Höhenschlag hatte und der Trip während der gesamten Veranstaltung
höllisch laut war. Die technische Abnahme im Anschluss verlief ohne grössere Probleme – kein
Wunder bei der perfekten Vorbereitung durch unseren HP. Also ließen wir uns ins Hotel bringen und
verbrachten eine ziemlich kurze Nacht. Dass diese jedoch im Verhältnis lang gewesen war sollten
wir erst später erfahren.  


Donnerstag, 04. Februar 2010 – 1. Rallyetag mit Etappe 1 und 2

Am Donnerstagmorgen war der Start vor dem Rathaus der Stadt Hanau; Startzeit für Nusser/Thiele
war um 09.41.

Die erste Prüfung (GLP 01) war eine Sollzeitprüfung an der Ruine Rodenstein am Rande des
Odenwalds – eine Sollzeitprüfung mit zwei Lichtschranken. Wir waren mitten in der Prüfung als wir
um eine Ecke kamen und plötzlich 2 Rallyeteilnehmer vor uns standen. Ein Bauer hatte irgendwie
keinen Spass an uns und schaufelte mit seinem Traktor eine riesige Schneemauer auf die Straße –
unpassierbar. Wir hupten und Oliver sprang, bereits vollgepumpt mit Adrenalin, aus dem Fahrzeug
und rief in Richtung des Traktors. Da wars um den Bauern geschehen – er sprang vom Traktor
runter mit einer Motorsäge in der Hand und rannte auf uns zu und Oliver rannte noch schneller weg.














Die Prüfung war also gelaufen und wir dachten uns, dass diese annulliert wird – wurde Sie aber
nicht. Die Teilnehmer, die durch diesen Eingriff behindert wurden, bekamen eine
Durchschnittszeit. Damit konnten wir nach den Ergebnissen des ersten Tages gut leben. Die
nächste WP namens GLP 02 Seidenbuch absolvierten wir in der WP-Wertung als Dritte und weiter
ging es über die Deutsche Weinstraße zur GLP 03 Altleiningen, einer Sonderprüfung der
bekannten Rallye Vorderpfalz. Hochmotiviert fuhren wir auf teilweise einspurigen, vereisten
Straßen die 48 km/h Schnittprüfung. Wie sich am Abend herausstellte, haben wir diese Prüfung
gewonnen.

Weiter ging es in Richtung Pirmasens zur Mittagspause. Das Auto lief super, die Stimmung an Bord
hätte nach den WPs der ersten Etappe, in der wir uns so super gefühlt hatten, nicht besser sein
können. Doch dann passierte das unfassbare: Nach einem Überholvorgang bergab ging das
Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit von rd.100 km/h einfach aus und wir schafften es noch gerade  
in eine Haltebucht. Haube auf und Fehlersuche, der Tank war halb voll, der Anlasser leierte, die
Zündkabel schienen in Ordnung und wir konnten den Fehler nicht finden. Wir hatten schon zum
Telefon gegriffen, da Stand bereits der AVD Servicewagen und der Abschlepper da.  
Was für ein Glück, wir hatten keine zehn Minuten gestanden. Eine weitere Fehlersuche blieb
erfolglos und unser Porsche 944 wurde auf den Anhänger geladen. Weiter ging es nach Pirmasens,
Oliver im Abschlepplaster und Klaus im Servicefahrzeug dahinter.













Dort angekommen begaben wir uns gemeinsam mit dem Serviceteam von Thomas Konopka
fieberhaft auf Fehlersuche, indem wir Teile der Zündanlage austauschten und alle in Frage
kommenden Leitungen durchmaßen – ohne Befund. Aber es wollte sich kein Zündfunken
einstellen. Diagnose: entweder defektes Steuergerät der Bosch-L-Jetronik nebst DME-Relais oder
aber defekte Bezugsmarken- oder auch OT-Geber (eine Hallsonde, die die Kurbelwellen-
umdrehung überwacht und der Zündbox ein Signal sendet, sobald die Kurbelwelle den oberen
Totpunkt durchläuft). Fazit: so oder so, wir brauchten fahrzeugspezifische Ersatzteile, die niemand
so einfach aus dem Ärmel zaubern konnte. Nach einem durchweg gelungenen Rallyestart brachte
uns diese Erkenntnis natürlich zur Ernüchterung und unsere Entscheidung stand fest:

Rallyeabbruch!

Olli zu Klaus: Jetzt geht’s Heim nach Stuttgart, das Auto kommt irgendwann wieder in Ordnung und
wir ertränken den Frust im Nachtleben!

Es sollte aber alles ganz anders kommen: Plötzlich erscheint die Fahrtleiterin, Frau Triefenbach
bei uns und bietet uns das AvD-Histo-Monte-Ersatzfahrzeug, einen Porsche Cayenne GTS, zur
Weiterfahrt an, was wir zunächst dankend ablehnen, denn außer der Wertung weiterfahren kommt
für uns nicht in Frage. Dann fällt Frau Triefenbach eine „eigenwillige“ Entscheidung.

Zitat: „Wenn Ihr es schafft, Euer Auto bis morgen früh wieder an den Start zu bringen, dürft Ihr
den heutigen Nachmittag mit dem Ersatzfahrzeug in der Wertung weiterfahren.“

Dann geht alles ganz schnell: Stoppuhren, Schnitttabellen, Roadbook, etc. in den Cayenne
umgeladen, mit Klebeband unsere Startnummer 41 auf Türen und Hauben geklebt – wobei Olli
dies tatsächlich vor lauter Aufregung beim ersten Versuch in Spiegelschrift hinbekommen hat –
und gerade noch rechtzeitig zur ZK Mittagsrast Aus. Wir sind wieder im Rennen und zwar pünktlich!

Aber kurz zu dem, was sich noch ereignete. Hans Peter hatte zwischenzeitlich telefonisch bei dem
Porscheteilehändler Freisinger in Karlsruhe ein passendes Steuergerät nebst DME-Relais
aufgetrieben und als Helfer in der Not bot sich unser Freund, Motorsportredakteur und allseits
bekannter Streckensprecher Detlef Krehl, der als Besucher die Mittagsrast in Pirmasens aufgesucht
hatte, an, nach Karlsruhe zu fahren und uns die benötigten Teile abends ins Etappenziel nach
Freiburg i. Breisgau zu bringen. 450 km Fahrtstrecke als Freundschaftdienst, nur um uns in der
Veranstaltung zu halten! 1000 Dank an Detlef, Du bist Klasse!

Rallyefahren im Cayenne GTS hört sich zunächst einmal an, wie eine Kaffeefahrt – ist es aber
nicht. Oder hat sonst schon mal jemand nach Tageskilometerzähler navigiert, geschweige denn
nach Sanduhr-Manier Gleichmäßigkeitsschnitte gefahren? Und hat schon mal jemand versucht,
den Tageskilometerzähler vom Beifahrersitz aus abzulesen? Es sei nur soviel gesagt: Als Copilot
hängt man dazu entweder ziemlich unbequem auf der Mittelkonsole herum oder hat eine
Wirbelsäule in Fragezeichenform. Bei Sollzeitprüfungen kommt hinzu, dass Oliver nur ungefähr
schätzen konnte, wo das Auto durch die Lichtschranke fährt. Wir haben uns jedenfalls unseren
944er jede Minute mehr wieder herbei gesehnt. So waren dann auch die Ergebnisse der
Nachmittagsprüfungen nicht mehr auf Vormittagsniveau, aber immer noch gut genug, um ganz
vorn dabei zu sein.

Bei unserer der Ankunft in Freiburg stand unser havarierter 944er bereits an Ort und Stelle. Ebenso
Detlef samt neuem Steuergerät. Also, schnell das Ding angeschlossen und erwartungsfroh den
Zündschlüssel gedreht. Nur außer dem Anlasser drehte sich nichts. NICHTS! Kein Zündfunke wollte
unseren Sprit verbrennen. Wir haben dann eine weitere gute Stunde nochmals systematische
Fehlersuche im Freien und unter sehr winterlichen Bedingungen unternommen, bis weder Olli,
Klaus noch die Service-Crew in der Lage waren, ihre jeweiligen Extremitäten zu spüren. Es half
alles nichts, es musste wohl doch ein Defekt der Bezugsmarkengeber vorliegen. Letzter
Rettungsversuch war dann die Verbringung unseres eigentlich doch so geliebten Einsatzgeräts ins
Porsche-Zentrum Freiburg, um dann am Morgen einen letzten Reparaturversuch zu unternehmen.
In der bangen Hoffnung, dass das PZ die benötigten Teile auf Lager hat, sind wir dann, ohne an
diesem Tag ein Mittag- oder Abendessen gesehen zu haben, gegen 2:30 Uhr im Hotel
eingeschlafen.

                                                                                                                     
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