.
.
.
.
Planai Classic 2010  -  die norddeutsche Sicht

Ein Rallye-Bericht von Barbara und Wolfgang Stegemann
Der Wintereinbruch kam in Norddeutschland Mitte Dezember 2009. So wussten wir bereits vor dem
eigentlichen Start zur PLANAI-CLASSIC 2010, daß uns die 1.005 km Gespannfahrt von Buchholz
bis ins Ennstal einen kleinen Vorgeschmack auf winterliche Fahrweise vermitteln wird. Übung soll
bekanntlich den Meister machen.

Nachts ging die Reise los, die Autobahnen waren verschneit und nur spärlich gereinigt. Die
sensiblen Bereiche des Fahrers wurden für die bevorstehenden Rallye-Aufgaben schon einmal
aktiviert. Je weiter wir aber unsere norddeutsche Tiefebene verließen, desto milder wurden die
Temperaturen und die Straßenverhältnisse verloren ihre winterlichen Eigenschaften. Ab der
Region um Hof in Richtung Passau war dann gar kein Schnee mehr vorhanden und wir hatten
schon die Befürchtung, dass es zu einer schneefreien Veranstaltung in Österreich kommen könnte.

In den Tälern rund um Gröbming und Schladming war dann tatsächlich wenig von dem
gewünschten, weißen Untergrund vorhanden. Auf den Bergetappen dagegen war es vereist und
teilweise schneebedeckt. Nur gut, daß hier noch Spikes erlaubt sind.

Nachdem das übliche Rallye-Procedere, Papierabnahme, Technische Abnahme usw. erledigt war,
ging es zum Prolog auf die bekannte Trabrennbahn in Gröbming. Hier lag zwar kein Schnee, dafür
waren die Temperaturen aber um so eisiger und dementsprechend wurde auch der vorhandene
Staub bereits bei den ersten Trainingsläufen mächtig aufgewirbelt. Nach wenigen Runden hatten
fast sämtliche Fahrzeuge schon eine gewisse Rallye-Patina. Beeindruckend waren die Teams der
Vorkriegsfahrzeuge und die weiteren, beinharten „topless“ Teams; zu denen gehörte auch das
Team Michael Münzenmaier / Peter Pech mit einem JAGUAR XK 140 OTS. Ihre Bekleidung
erinnerte eher an arktische Krabbenfischer als an Rallye-Piloten. Da konnten beheizbare
Schuhsohlen und Handschuhe auch nicht mehr viel ausrichten. Es wurde für sie am ersten Abend
bitter kalt.














Den Paukenschlag beim offiziellen Zeitfahrten setzte dann auf der Trabrennbahn das Team
Wohlenberg / Wohlenberg mit einer Zeitabweichung von 0,00 Sekunden. Alle anderen Teilnehmer
waren also vorgewarnt und konnten bereits erahnen, wer das oberste Treppchen fest im Visier hat.

In der vergangenen Rallye-Saison hielten Karsten und Monika die Anzahl der Demoralisierten auf
sehr hohem Niveau und eigentlich wäre es ihnen hier auch wieder fast gelungen, wenn das HALDA
Winkelgetriebe am linken Vorderrad nicht kurz vor dem Start seine Tätigkeit eingestellt hätte. Alle
Reparaturbemühungen waren leider vergeblich und so mussten sie die Gleichmäßigkeitsprüfungen
mit einem „schlupfigen“, vom Hinterrad angetriebenen, HALDA-Antrieb absolvieren. Da sind
Abweichungen zwangsläufig die Folge und dennoch mit diesem Handicap den Platz 7 im
Gesamtklassement zu erzielen, spricht für die Klasse dieses Teams und nötigt Respekt ab!

Unsere Prüfungenwaren eigentlich wenig spektakulär, es lief im ALFA alles rund und das bisher
erreichte Ergebnis vom ersten Tag, sollte am zweiten Tag zur Mittelstation der PLAINAI nur noch
gehalten werden. Die Strecke war schneebedeckt und zum Teil extrem vereist und so nahm der
Fahrer den „Befehl“ vom rechten Sitz doch ernst und hat sich ein bisschen mehr Zeit als sonst
üblich gelassen. Das war für uns die richtige Entscheidung. Im zweiten Lauf sollte dann nach
Meinung des Co-Piloten doch sicherheitshalber eine gewisse Zeit vorgelegt werden, schließlich
musste man mit noch weniger Traktion rechnen. Der erste Lauf war zeitlich schon sehr gut
bemessen. Gesagt getan.

Also rauf aufs Gaspedal und endlich einmal Zeit rausfahren. Welch ein schöner Wunsch vom
Beifahrersitz. Nach ca. 1.000 m erwartete uns die erste stramme Bodenwelle und diese Unebenheit
schüttelte dann den ALFA derart heftig durch, daß der sonst gewohnte Vortrieb schlagartig nicht
mehr vorhanden war. Aus dem Motorraum waren ungewohnte Geräusche zu hören und man konnte
den Eindruck gewinnen, als wollten Pleuel oder Kolben demnächst auch einmal die frische
Bergluft genießen. Blubbernd mühte sich die „JULE“ bei ca. 5.500 U/min im zweiten Gang den
Berg hinauf und nur die Anzeigen von Wassertemperatur und Öldruck gaben dem Fahrer noch
einigermaßen Sicherheit, dass kein Schaden am Triebwerk entstanden sein konnte. Die letzten
Meter bis zum Ziel wurden nur noch mit infernalischen Motor-Geräuschen absolviert, dann war es
nach ca. 6.500 m geschafft. Ziel erreicht und die Abweichung betrug nur 66/100 Sekunden.
Selten haben wir über uns eine Lichtschrankenzeit so gefreut.















Normal hätte es von der rechten Seite ob der Zeitabweichung ein „Kritikgespräch“ gegeben. Da hat
der Teamkollege am Volant aber noch mal mächtiges Glück gehabt!

Was war denn nun eigentlich geschehen? Nach der besagten Bodenwelle waren vom ersten und
zweiten Zylinder die Kerzenstecker abgefallen und so wurde die „JULE“ ungewollt zum
„Zweizylinder“. Aber im Jubiläumsjahr „100 Jahre ALFA ROMEO“ zeigte das Sportgerät keine
Schwächen und so musste alles gut enden.

Die Bemerkung eines Teilnehmers nach dem Zieleinlauf brachte uns dann doch noch zum
Schmunzeln, meinte er fachmännisch, der ALFA mit den offenen Weber-Ansaugtrichtern klingt
eben unglaublich gut und läßt so einen „richtigen Rallye-Sound“ aufkommen. Recht hat er, oder?

Detaillierte Informationen zur PLANAI-CLASSIC gibt es
HIER.

ALFA - Team
Barbara & Wolfgang Stegemann


                                                                                 
 >> zur hessischen Sicht der Planai